Ausschnitte aus den Briefen


...Und so setz ich mich also im Geiste getreulich bei Dir nieder um Dich meine innersten Gedanken erfahren zu lassen. ...


… In wenig Tagen ist wieder Klausenmarkt und ich erinnere mich so ganz lebendig, wies vor einem Jahr gewesen ist, da Du treulich mir die Hand zum Abschied drücktest und einer unbestimmten Zukunft entgegen von der lieben Heimat und allem Lieben, was eine solche in sich bergen kann, Dich verabschiedetest. Es konnte dies einen so besonderen Eindruck auf mich ausüben, wie ichs vorher nie begriffen hät, obwohl ich Deinen Wegzug von jeher bedauerte. …


Mein fernes Lieb!
Schon sind wieder 6 Wochen verflossen seit ich Dein so lb. Brieflein in meine Hände bekam und nun will ich es endlich beantworten. Vorerst möchte ich Dir Dank, herzinnigen Dank sagen für die so lb. Zeilen, die ich mit Freuden und sicher auch mit warmem Empfinden gelesen habe. Ich kann es begreifen, dass es für Dich sicher kein leichtes war, diesen Brief zu schreiben, denn es ist darin manches enthalten, an das ich nicht gedacht hätte, als wir uns bei unserem Abschiednehmen das letzte Mal tief in unsere Augen geschaut und einander innig die Hand gedrückt haben. Hätte ich gewusst, dass es so weit kommen würde, hätte ich vor meiner Abreise sicher noch einmal den Weg zu Dir unter die Mythen gefunden. ...


...Ich kann eben nicht anders schreiben, als wie das Herz fühlt und denkt, ...


...Der Zeitung nach muss es allerdings schlecht sein in Europa, aber ich denke in diesem Lande sind die Verhältnisse auch nicht viel besser. Der letzte Winter war der schlechteste seit vielen Jahren und es will nicht besser werden. Weiss der Herrgott wie das noch herauskommen soll. Die Farmer machen auch sehr harte Zeiten durch. Sie bekommen wenig für die Milch, fürs Getreide und Schlachtvieh und wenn sie etwas kaufen müssen, ist alles verhältnismassig noch teuer. Die Löhne sind ziemlich zurückgegangen. Sie zahlen uns auch 10 Dollars weniger. Seit 1. März müssen wir auch mit der Maschine melken. Je zwei Mann haben jetzt 90 Kühe zu melken. Zuerst hat es uns nicht gefallen, nun sind wir uns wie auch die Kühe besser gewohnt und es ist grad so “ring” als von Hand melken. ...


...Und wie hast Du Dir Dein Geld angelegt, ist das sicher? Es ist geradezu bedenklich, wenn man hört und liest von vielen Bankkrächen in Amerika. Mein Lieber, bring Du Deine Barschaft lieber rechtzeitig in die Schweiz in Sicherheit. ...


...Obwohl meine Gedanken alle Tage, ach nein öfters im Tage, zu Dir in die Ferne zogen, musstest diesmal doch gar so lange vergeblich und jedenfalls auch fast unwillig auf Antwort warten. Du wirst mir aber, mein Liebster, dies lange schuldigbleiben eines Briefes verzeihen, da es viel mehr an Zeit und Gelegenheit als an gutem Willen fehlte. ...Es tut mir das sehr leid und kommt mir recht langweilig vor, seinem Allerliebsten gegenüber so stillschweigend zu verhalten. Darf ich dennoch, wie bisher, bald wieder ein Lebenszeichen von Dir erwarten, oder mag sich die treue Liebe in Deinem Herzen inzwischen vermindert haben? Nein, das kann ich Deinem warmen Männerherzen nicht zumuten und ich häts auch nicht verdient, will also annehmen, dass unsere Herzen durchs Band der Liebe beidseitig einander treu und anhänglich geblieben sind. ...



